Fritz Koenig. Meine Arche Noah

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Von Juni 2004 bis April 2008 zeigte das Skulpturenmuseum im Hofberg die Ausstellung "Fritz Koenig. Meine Arche Noah". Sie gab erstmals einen Überblick über die Gesamtheit der Stiftung Fritz und Maria Koenig und widmete sich der Darstellung von Lebens- und Arbeitswelt eines der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Gegenwart. Werk, Sammlungen und persönliches Umfeld wurden hier erstmals zueinander in Beziehung gebracht, dokumentiert und somit erfahrbar gemacht.

Beim Durchwandern der Museumsräume sollten Begegnungen mit dem bildnerischen Schaffen unterschiedlichster Kultur- und Zeiträume in Korrespondenz mit dem Werk Fritz Koenigs möglich sein. Die Figur des Menschen im Spannungsfeld seines irdischen Daseins zwischen Liebe und Tod, Werden und Vergehen steht im Zentrum von Koenigs künstlerischer Arbeit; er sucht dabei – das Individuelle, Persönliche im Blick – gleichzeitig das Zeichenhafte, Allgemeingültige und Überdauernde dieser Existenz. Die Beobachtung der Natur, das Leben mit Vollblutarabern und einer Fülle anderer Tiere und Pflanzen im einmaligen Kontext seines niederbayerischen Anwesens Ganslberg, das den Bogen vom Entstehen und Vergehen aller Dinge schlägt, sichert in hohem Maße die Sprachmächtigkeit von Koenigs Werken.

Sein Thema ist dabei eine begreifliche Sichtbarmachung von Lebensformen und Erfahrungen, die sich in vergleichbarer Intensität in den Gebilden jenseits der traditionellen Hochkunst vermitteln, die er in seinem Lebensumfeld auf dem Ganslberg um sich versammelt hat: in Zeugnissen mitteleuropäischer Volksfrömmigkeit ebenso wie in "Fundstücken", Objekten aus dem antiken Asien und Europa und aus solchen der Kunst Ozeaniens und Afrikas. All dieser Vielfalt bietet die in ihrem Charakter einmalige "Lebenswelt Ganslberg", die sich Maria und Fritz Koenig seit 1961 geschaffen haben, ein gemeinsames Dach. Sie hat dabei zwei Gesichter: ein ländliches, das tief in der niederbayerischen Tradition verankert ist, und ein kosmopolitisches, das den Bildhauer als Klassiker einer abstrahierenden Figuration in der Moderne verankert. Peter Klaus Schuster, langjähriger Freund und Begleiter, hatte 1998 den Koenigschen Kunstbegriff so umrissen: "Koenigs Kunstentwurf, seine Auffassung von Plastik als bewahrender Macht, greift ... über die Kunst weit hinaus ins Leben. Es ist ein Kunstentwurf von ungeheurer Breite und entschiedenem Anspruch. Dieser Kunstentwurf beruht letztlich auf der polaren Grundüberzeugung Fritz Koenigs, wonach Afrika und Niederbayern, die Formensprache der Moderne und der elitäre Schönheitssinn einer Araberzucht nur verwandte Ausprägungen eines Lebensstromes sind".